Achtsamkeit

Achtsamkeit ist zurzeit in aller Munde aber was ist das eigentlich und was hat es mit Ernährung, Gesundheit und Genuss zu tun? Genau darum soll es auf dieser Seite gehen.

Begriffsdefinition

Bild: Roland - stock.adobe.com
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Achtsamkeit bedeutet im Hier und Jetzt zu sein, also alles bewusst wahrzunehmen, was in einem bestimmten Augenblick passiert.

Das können innere Geschehnisse wie Gefühle, Gedanken oder Körperempfindungen sein, aber auch äußere Einflüsse wie die Temperatur, ein Geräusch oder der Wind. Diese Aspekte sollen absichtsvoll und mit einer Haltung von Akzeptanz und Neugier wahrgenommen werden.

 

 

Der amerikanische Medizin-Professor Dr. Jon Kabat-Zinn nutzt die Achtsamkeit für seinen Therapieansatz der Mindfullness-Based Stress Reduction.

Er definiert drei Kernaspekte der Achtsamkeit:

 

  • Gegenwärtigkeit – das Sein im Hier und Jetzt, also mit der ganzen Aufmerksamkeit bei einer Sache.
  • Absichtsvoll – Die Aufmerksamkeit wird bewusst auf den jetzigen Moment gelenkt.
  • Nicht wertend – Alle Erfahrungen, die wir während eines Augenblicks machen, lassen wir zu, ohne diese zu bewerten und so ins Grübeln zu gelangen.

 

Ihre Ursprünge hat die Achtsamkeit im Buddhismus. Um sich in Achtsamkeit zu üben, gibt es formelle und informelle Praktiken.

 

Die formelle Praxis der Achtsamkeit wird in der Meditation geübt, der bewussten Konzentration auf den Augenblick im Sitzen oder Liegen. Der Atem dient den Praktizierenden dabei als Anker, auf dessen Ein- und Ausströmen sie sich konzentrieren.

 

Die informelle Praxis der Achtsamkeit soll in alltäglichen Tätigkeiten ausgeübt werden, also zum Beispiel beim Arbeiten, Putzen oder Duschen.

 

Natürlich gehört auch das Essen zu diesen alltäglichen Tätigkeiten. Wir essen heute überall und zu jeder Zeit – unterwegs das Brötchen vom Bäcker, das Mittagessen am Arbeitsplatz oder die Tüte Chips vor dem Fernseher. Die Achtsamkeit hält uns dazu an, uns während wir essen ausschließlich darauf zu konzentrieren.

Wie schmeckt das Lebensmittel, wie fühlt es sich im Mund an, habe ich noch Hunger oder bin ich schon satt?

Achtsamkeit in der Ernährung

Die Ökotrophologin Dr. Julia Feind definiert achtsames Essverhalten wie folgt:

„Das achtsame Essverhalten beschreibt […] die Fähigkeit einer Person, eigenverantwortlich, individuell und flexibel zu entscheiden, welche Menge und Auswahl von Lebensmitteln ihre Bedarfe und Bedürfnisse am besten erfüllen.“

Foto: Elena Solodovnikova - stock.adobe.com
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Vorteile eines achtsamen Essverhaltens

  1. Wir nehmen den Geschmack eines Lebensmittels bewusst wahr und können voll und ganz genießen.
  2. Wir essen langsamer, wodurch sich schneller das natürliche Sättigungsgefühl einstellt.
  3. Wir werden uns darüber bewusst, wann wir satt sind. Wer bewusst isst, kann auch bewusst verzichten.

Fazit

Ein achtsames Essverhalten sorgt für mehr Genuss und kann helfen festzustellen, was und wie viel wir zu essen brauchen: Bin ich gerade nur durstig oder wirklich hungrig? Was stillt meinen Durst besser, ein Glas Wasser oder Limonade? Muss ich das wirklich noch essen oder bin ich schon satt? Diese Fragen können wir uns stellen, um herauszufinden was wir brauchen. Achtsamkeit kann auf natürlichem Weg zu einem gesünderen Essverhalten führen.

 

Tipps, wie Du bei Deiner Ernährung achtsamer sein kannst und damit auch Dein Essen mehr genießt, bieten die Genussregeln.

Quellen:

 

KABAT-ZINN 1990 zitiert bei MICHALAK et al. 2012, S. 5

 

„Das achtsame Essverhalten, beschreibt […] die Fähigkeit einer Person, eigenverantwortlich, individuell und flexibel zu entscheiden, welche Menge und Auswahl von Lebensmitteln ihre Bedarfe und Bedürfnisse am besten erfüllen“ (BOLLWEIN  2016 – Interview mit Marikje Moritz)

 

MICHALAK et al. 2012, S. 5 f.

 

HEIDENREICH et al. 2003, S. 265

 

SHAPIRO et al. 2011, S. 35